Wir schliefen ruhig, das Feuer prasselte neben uns, der Himmel war sternenklar, diese Nacht soll Aule über uns wachen und nichts Böses wird in unsere Träume Einzug halten.
Die Erholung der letzten Nacht spüre ich im ganzen Körper. Behende springe ich auf die strammen Beine, um frisches Feuerholz zu holen, während Isdi im nahen Wald frische Kräuter schneiden wird. Diese Gegend wirkt so vertraut und zum ersten Mal seit Monaten verspüre ich kein Heimweh in meinem Herzen. Isdi ist bereits wieder an unserer Feuerstelle, als ich mit trockenem Holz zurückkehre und die glimmenden Überreste des Nachtfeuers erneut entflamme.
“Kannst du mir etwas über dieses Land berichten?”, frage ich die Elbin, “Warum siedeln Elben in diesen kargen Höhen?”
“Dargalin”, begann sie zu erzählen, “die Ered Luin sind älter, als ihr es euch in euren kühnsten Träumen vorstellen könnt. Vor tausenden Jahren trennte die von Norden nach Süden verlaufende Gebirgskette Eriador im Osten und Beleriand im Westen. Dort im Westen siedelten die Sindar, jene Elben, welche Orome zu Beginn des Ersten Zeitalters zwar bis nach Westen, aber nicht übers Meer bis nach Valinor gefolgt waren. Im Herzen des Landes lagen die großen Elbenkönigreiche von Doriath und Nargothrond. Dies ist die wahre Heimat der Elben, ihre älteste Erinnerung an die Zeit. Bei der Erschütterung der Welt durch die große Schlacht am Ende des Ersten Zeitalters versank Beleriand im Meer; nur ein Stück der Ered Luin blieb westlich von Eriador erhalten. Euch Zwerg wird gewiss bekannt sein, dass sich am Osthang der Ered Luin die Höhlenstadt Belegost befand.”
Leise flüstere ich vor mich den Namen dieser Legende dahin: “Gabrilgathol, die große Festung.” Die Maia Melian und Thingol sollen meine Ahnen mit reichen Geschenken bedacht haben, da diese stets viel und gern für sie gearbeitet haben. So soll in Belegost der erste Kettenpanzer angefertigt worden sein. In der großen Schlacht am Ende des Ersten Zeitalters wurde Belegost dann vollkommen zerstört.
“Fast vollständig, Herr Zwerg.” Mit diesen Worten reißt mich Isdi aus meiner Trance. Wie kann sie meine Gedanken erraten? “Herr Zwerg, wir Elben sind zu vielem in der Lage, aber in die Köpfe anderer Wesen vermögen wir nicht zu sehen, doch können wir die alten Geschichten zumindest erahnen. Im Süden der Ered Luin finden sich auch jetzt noch Überreste der alten Stätten.”
Während sie mir weiter von längst vergangenen Tagen berichtete, aßen wir am flackernden Feuer unsere Teiglinge, gestopft mich frischen Kräutern. Wie sehr ich doch die großen Hallen der alten Zeit betreten möchte, die tiefen Minen erkunden und die rießigen Stollen bestaunen. Wir Zwerge waren wirklich ein von Aule gesegnetes Volk.
“Thorin Eichenschild war es, der den Handel zwischen Elben und Zwergen in den Ered Luin anregte. Im Exil, nach der Vertreibung der Zwerge vom Erebor, in den ‘Blauen Bergen’ trieb er fast 80 Jahre tiefe Stollen in das Gebirge und errichtete Thorins Hallen. Diese Hallen sind es, die sich dort im Tal vor dir ausbreiten, Dargalin.”
Morgen werde ich die Handwerkskunst des Königs der Zwerge von Durins Volk erblicken, doch heute will ich wieder am Lager ruhen.

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