Isdi, die Elben, nimmt mich mit zu ihrem kleinen Lager, nicht weit entfernt, inmitten der Ruinen. Mein erster Eindruck hat mich nicht getäuscht, diese Bauten sind seit Langem verlassen, Unheil ist geschehen.
Wir setzen uns am Feuer nieder und obwohl es mich dürstet, etwas über Thorins Hallen und Dwalin s Sippe zu erfahren, drängt mich eine unbestimmte Kraft diese Ruinen zu erkunden. Doch noch kann ich hier nicht fort. Die Elb in bereitet ein Mahl aus einer dünnen, aber heißen, Brühe und etwas Teig. Die Wärme des Eintopfs und das Aroma der frischen Kräuter beleben direkt meinen Geist und stärken meinen Körper. Benebelt von den ätherischen Düften falle ich auf dem Fell des jungen Auerochsen s in einen tiefen Schlaf. Von Träumen weiß ich nicht zu berichten. Ich erwache nur wenige Stunden später, die Sonne steht tief am Himmel und Isdi sitzt noch immer wie zuvor am Feuer. Im Schein der Flamme wirkt das hagere, längliche Gesicht erschreckend bedrohlich, jahrhundertealtes Wissen tanzt in ihren Augen.
“Du bist erwacht, Herr Zwerg”, sagt die melodiös klingende, fast schon singende Stimme. Ich richte mich auf und nehme einen Schluck aus dem Wasserschlauch, den mir Isdi reicht. “Sag mir, was ist hier geschehen? Ich spüre die Kälte des Todes, des Verderbens und des Verrats.” Sie schaut mich weiter mit ihren glasklaren Augen an, starrt mir in die Seele und offenbart mir das Vergangene.
“Höre, Herr Zwerg. Viel Leid ist über dieses Land gekommen. Einst war die Zufllucht von Edhelion eine Blüte der Elb enkultur. Viele Jahrhunderte lang bildete sich ein steter Handel mit benachbarten Siedlungen, die bewohner Edhelion s waren für ihre vorzüglichen Gärten und Felder bekannt. Stets nahmen sie Reisende bei sich auf, beherbergten Heimatlose und versorgten Verwundete.
Doch vor 600 Jahren zogen dunkle Wolken auf, die Gesänge der elbischen Chöre verstummten, als ein Unhold in dieses Land einfiel. Skorgím Grimmhand, ein Langbart, zog mit einer Armee aus Zwergen und Bilwiss en gegen Edhelion. Talagan Silberzunge kommandierte alle verfügbaren Kräfte nach bestem Wissen, doch die Tore sollten nicht auf ewig halten. Unterstützt von einem riesigen Troll gelang es Skorgím bis zu den heiligsten Hallen vorzudringen; in diesen Hallen wurden seit jeher mächtige Elb enrelikte aus längst vergangenen Zeitaltern verwahrt.
Elrond berichtete später, wie er den Troll bezwang und wie er hilflos zusehen musste, als Talagan seine Unsterblichkeit hergab, um die Relikte zu schützen. Talagan begrub sich, Skorgrím und dessen Zwerge unter den Hallen, indem er die Decke einstürzen ließ und sicherte somit das Überleben hunderter anderer.”
Isdi endet und meine Starre löst sich. Ein Zwerg hat all dies angerichtet, zusammen mit Bilwiss en? ich versuche wieder klare Gedanken zu fassen: “Isdi, was ist seitdem mit diesem Land geschehen?” – “Das Land war veloren, die Boshaftigkeit der Grimmhand-Zwerge verdarb alles, die Natur richtete sich gegen uns Elben und Edhelion verfiel.” Ich sehe eine Träne, die Elb in wirkt müde. Ihr langes Kleid flattert im aufkommenden Wind und sie spricht weiter: “Doch Elrond sandte vor nicht allzu langer Zeit zwei seiner Söhne und nun soll dieses Land wieder leben. Die Güte der Elben soll neues Glück, neue Fruchtbarkeit bringen und niemals mehr darf sich der Schatten des Bösen erheben.”
Diese Hoffnung ist es, die mich vorantreiben soll. Zuversicht glimmt in unser beider Herzen auf und ein Lächeln zeichnet sich im Gesicht des Langohrs. Hier bin ich nun, bereit meine Zwergenvetter zu besuchen – Isdi muss mir noch viel von dieser Gegend, die ich nur aus Erzählungen der Alten kenne, erzählen.

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