Die Zeit des Ruhens ist vorbei, der Frieden der Ered Luin gestört – Dwalin uns ich stützen den verwundeten Elben, als wir die Gruft des wiederauferstandenen Skorgríms verlassen.
Der kühle Wind des Gebirges peitscht uns ins Gesicht, mit schweren Schirtten schleppen wir uns voran. Tief in den Ered Luin thronen die mächtigen Außenbereiche der Thorins Hallen über uns. Riesige rechteckige Formen bestimmen das Bild, eine unendlich lange Treppe weißt uns den Weg zur Eingangspforte, streng bewacht von den Untergebenen des Zwergentruchseß.
Die erste Wache erblickt uns. Seine silberne Rüstung glänzt im Schein der flach stehenden Sonne, gestützt auf eine langstielige Axt schirmt er seine Augen mit der echten Hand gegen das blendende Licht. Als er Dwalin gewahr wird, eilt er uns entgegen, hilft dem noch immer geschwächten Elben die unzähligen Stufen hinauf. Bereits von weitem kann man den großen Platz überblicken, überall tummeln sich Händler und Wachen. Der Treppe gegenüber befindet sich die große Eingangspforte, sie ist bereits geöffnet, man erwartet uns.
Vor 216 Jahren gründete Thorins Vater König Thráin II nach seiner Flucht aus Dunland die Hallen unter den Bergen der Ered Luin. Wie sein Sohn Thorin fast 100 Jahre später begab sich Thráin II auf die Reise zurück zum Erebor, doch sollte er diesen nie erreichen. In den Düsterwäldern soll er den Tod gefunden haben. Dies berichtete mir Dwalin, welcher zusammen mit seinem Bruder Balin nicht nur an der letzten Reise zum Erebor beteiligt war, sondern bereits zuvor König Thráin begleitete. Obwohl sie gemeinsam die Wälder für Tage durchsuchten, fand sich kein Anhaltspunkt, wohin sich ihr König verloren hatte, so dass sie die Suche schließlich einstellten und zurück in die Ered Luin kehrten, wo inzwischen Tráins Sohn Thorin Eichenschild herrschte und die riesigen Hallen zu neuem Ruhm führte. Hier gründeten sich neue Handelsbeziehungen mit den Menschen des Breelandes, den Hobbits des Auenlandes und den Elben der Grauen Anfurten.
Auch heute ist das mächtige Gewölbe vollgestopft mit Ständen, Wagen und Händlern, die ihre fremdartigen Waren anpreisen. In Thorins Hallen kann ein Zwerg alles erstehen, wonach ihm gelüstet. Überall prasseln Feuer, von den Wänden schallen die Schreie der unzähligen Interessierten Marktbesucher wieder. Durch dieses Gewusel suchen wir uns unseren Weg zum Thronsaal. Auf eine Pritsche in der Ecke des Saales legen wir den Elben ab, Dwalin schickt die Wache zum Heiler der Hallen, in der Zwischenzeit setze ich einen Sud aus Waldkräutern in einem alten Topf über der offenen Feuerstelle des Saals auf, die Dämpfe der ätherischen erfüllen auf der Stelle die Luft. Nur wenig später ist das Gebräu durchgezogen und Dwalin persönlich hilft ihm beim Trinken – man kann sehen, wie sich der schlanke Elbenkörper auf der Stelle erholt; ich werde die Heilkunst der Natur wohl nie verstehen.
Nachdem der Heilkundige eingetroffen ist und sich des Elben annimt, bin ich sicher, dass meine Hilfe hier nicht länger benötigt wird.
Ich verlassen den Thronsaal und will meinen Kopf von den schrecklichen Bildern des kürzlich Erlebten befreien und nehme den Weg durch die heißen Schmieden der Hallen. Links und rechts von mir dröhnen die Schläge unzähliger Hämmer auf übergroßen Ambossen, heißes Eisen sprüht Funken, ein stickiger Dampf lässt das Atmen schwerfallen, die Rufe zwischen den Schmieden ist kaum zu hören – hier fühle ich mich wohl. Ich greife mir einen nahe stehenden Hammer und ziehe ein rot glühendes Stück Eisen aus einem Ofen, mit geschulten Schlägen forme ich eine Axtscheide aus dem Block, indem ich das Metall immer wieder erhitze und mit weiteren Schlägen bearbeite. Als ich mit dem Rohschliff zufrieden bin, übergebe ich das noch immer heiße Metallstück einem anderen Schmied; ich bin sicher, dass er die Schneide ausreichend veredeln wird, es wird eine starke Axt werden.
Noch immer schwitzend begebe ich mich in die tiefen Gewölbe der Hallen unter dem Berg, hier bestelle ich mir einen Humpen feinstes Zwergenbier, stopfe frisches Pfeifenkraut in meine lange Holzpfeife und blase genüsslich Rauchkreise in die Luft. Nach kurzer Zeit des Genießens schließen sich meine Augen; es war ein anstrengender Tag.


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