Vergleichen geht nicht? Von Äpfeln und Birnen
Geht nicht, gibt’s nicht! Die Kommentare der geschätzten buffed.de-Community haben mich am Wochenende mal wieder richtig aus der Haut fahren lassen. Neben dem obligatorischen Sinnlos-Posts à la “first” trieben mir die Ergüsse der “Gemeinschaft” zum Borderlands Artikel die Zornesröte ins Gesicht.
Nun kann man über buffed.de und deren Artikelgestaltung denken was man möchte, aber grundlos geschieht da (manchmal leider) nichts. Der Haufen in der Redaktion ist strukturiert, die Pläne mögen nicht immer klar sein, aber sie fußen auf bestimmten Gegebenheiten der Leserschaft. Wenn man nun Tag ein und Tag aus über Onlinespiele, vorwiegend MMOs berichtet, und zumindest ab und an den Versuch unternimmt, in andere Gefilde einzutauchen, dann finde ich das schon einmal gewagt. Aber wer nicht wagt…Schmarrn! Hier kann man nur verlieren!
Björn versucht zumindest ein neu erschienenes Spiel der verblendeten Community näher zubringen. Das Video ist handwerklich (trotz Abfilmen des Fernsehers) ok und auch der Inhalt stimmt soweit. Ich hab’ mich übrigens gefragt, ob es so ohne Weiteres ok ist, dass man die Ab-18-Version im Netz ohne “Warnung” zeigen darf. Über das Spiel möchte ich ansonsten gar nicht so viele Worte verlieren, da dazu noch der Test von meiner Seite in dieser Woche folgen soll. Die Borderlands-Vorschau gibt zumindest einen ersten Eindruck.
“Borderlands: Shooter mit Teamplay wie in World of Warcraft”
Die Überschrift hat es in sich. Komplett aus dem Kontext der Seite gezogen wäre mein erster Gedanke: WTF, warum vergleicht man das Spiel ausgerechnet mit WoW? Und genau das ist der springende Punkt. Reißt man die Geschichte aus dem Kontext, ist sie auf der ganzen buffed.de-Seite fehl am Platz. Um Björns Ansatz zu verstehen, muss man die Seite also mit einbeziehen:
Wenn buffed.de ansosnten über MMOs im Allgemeinen und hauptsächlich WoW berichtet, dann kann man davon ausgehen, dass die Nutzer zumindest rudimentäres Wissen bezüglich der Spielmechanik eben dieses Spiels haben. (davon kann man sicher nicht bei allen ausgehen, aber ebenso gibt es die Fraktion der Klugscheißer, die einfach viel mehr Informationen über das Spiel haben als die Buffies) Vom Action-RPG-Shooter Bordelrands kann man hingegen nicht erwarten, dass er dem Großteil der Community bekannt ist. Um den Inhalt des Videos beziehungsweise des Artikels möglichst schnell und präzise zu kommunizieren, bedient man sich also einer gedanklichen Brücke: Was ähnelt in Borderlands einem bekannten Spiel, über das die buffed.de-Community etwas weiß? Richtig: Loot, Quests, Bossgegner und Gruppenspiel.
Warum nicht der Loot?
Der Loot in WoW ist toll: Sicherlich das Thema, dass den Großteil der WoW-Spieler interessiert, aber bis auf die gleichen Farbschemata für die Gegenstandswertigkeit unterscheiden sich die Systeme doch sehr. Man hat kaum “normale” Ausrüstung, sondern unterliegt vielmehr der Qual der richtigen Waffenwahl. Mehr nicht.
Warum nicht die Quests?
Questen in WoW ist toll: Zumindest für mich. Ich mag Quests und deren Aufmachung, allerdings unterscheidet sich das System zu Borderlands auch hier wieder zu sehr. Die Quests in Borderlands sind doof. Sie dienen der Content-Füllung und haben ansonsten kaum spielerischen Wert. Außerdem steht ein ordentlicher Teil der WoW-Community auf Questloses leveln mittel Questhelper etc.
Warum nicht die Bossbegegnungen?
Auch diese sind in Borderlands ganz nett, werden vor Allem besonders schnieke eingeleitet (kurzes Video mitsamt coolem Spruch), erreichen aber bei Weitem nicht den Umfang und die Masse an WoW-PvE-Bossbegenungen. Weder in Hinsicht auf 5-Mann-Instanzen noch auf Schlachtzüge. Das Thema scheidet also aus.
Warum also das Teamspiel?
Jetzt ist Borderlands allerdings eigen, dass das eigentlich gar nicht so herausragende Spielprinzip ungleich im Mehrspielermodus an Klasse gewinnt. Mit Freunden macht das Spiel nicht nur doppelt, sondern viermal so viel Spaß. Auch dazu im Test mehr. Ebenso gestaltet sich die Rollenverteilung wie in einem MMO. Natürlich könnte bild drauf losrennen und die Gegner niedermähen, doch ist das taktische Vorgehen mit klassischer Tank, Heiler, Schadensausteiler Aufteilung ungleich effektiver. Man sieht also in diesen knappen Worten, dass sich der Vergleich (Ups, hab ich den wirklich auf vier verschiedene Teilgebiete des Spieles angewendet?) sehr wohl anstreben kann.
Kommen wir also zur Ausgangssituation zurück. Wir haben ein Spiel, dass nicht so wirklich zu uns passt und eine Referenz, die der unglaubliche Riesenanteil unserer Community fast täglich konsumiert. Um das neue Spiel den geneigten Konsumenten näher zu bringen, bedient man sich also eines kleinen Tricks und schmeißt Vergleiche möglichst in der Überschrift raus, damit der potentielle Leser – der erst einmal auf der Übersichtsseite verweilt – direkt auf einen Artikel gelenkt wird. Denn mit den Worten Teamplay und WoW assoziiert man als Warcraft-Spieler doch in erster Linie Unterhaltung sowie Spielinhalte und erst anschließend: “Oh mein Gott, WoW und Teamplay stinkt doch.” Und genau das ist doch der Sinn einer Headline: Leser akquirieren. Zusätzlich sollte der Inhalt des Artikel mittransportiert werden, aber ohne anständigen Reißer verliert man viel zu viel der Klick-Willigen. Und auf die kommt es an.
Wo ist also das Problem?
Ich gestehe hiermit öffentlich, dass ich Vergleiche mag, so sie dem Verständnis oder besser der Heranführung an ein neues Thema dienen. Denn hierdurch schafft man es, in kurzen, prägnanten Phasen auch einem Uninformierten mit Hilfe dieser “Eselsbrücke” Wissen zu vermitteln.
Danke,
Benny
