Borderlands TestBorderlands ist ein Spiel, das ab der erste Minute mit seinem Humor den Spieler an sich binden kann, über weitere strecken monoton verläuft und dennoch eine ungeheure Langzeitmotivation aufweist. Wer hätte das gedacht, da hab’ ich doch glatt positive und negative Aspekte des gearbox’schen Neulings in einem Anfangssatz untergebracht.

Nach seiner Ankündigung im September 2007 polierte das Entwicklerstudio gearbos extrem an der Oberfläche des schon damals als 3D-Shooter mit Rollenspielelementen angekündigten Action-Krachers. In Detailfragen mag man sich noch uneinige gewesen sein, doch das Konzept stand. Was ist davon nun übrig geblieben und ob sich der Kauf für Shooterfans, Rollenspieler oder Onlinemuffel überhaupt lohnt, wird Euch hoffentlich mein Testbericht mitsamt Video* verraten. Am Ende schnappen wir uns die ganze Chose und basteln uns ein knallhartes Fazit.

Unruhige Zeitgenossen bekommen hierfür ein erstklassiges Inhaltsverzeichnis präsentiert, mit dessen Hilfe sie zu bestimmten Kapiteln springen dürfen, während Menschen mit trägen Leseaugen gleich bis zum Videobeitrag durchscrollen dürfen.

Die Welt: Verstanden. Einöde, danke.

Hm, heißer Sommer auf Pandora.

Hm, heißer Sommer auf Pandora.

Von Goldgräberstimmung kann man auf dem tristen Planeten Pandora nicht mehr sprechen. Der ist jedenfalls Schauplatz des Shooters und bietet eine dermaßen staubig, triste Umgebung, dass bereits zu Beginn des Abenteuers klar ist: Hier geht nicht viel.

Es rumort unter der Oberfläche und man erzählt sich, dass während der ersten Besiedlung des Planeten angenehme Temperaturen herrschten. Die Sonne tauchte alles in ein angenehmes Licht und die kleinen Weltraumpionieren freuten sich ihres Dasein. Doch niemand schien darauf vorbereitet gewesen zu sein, dass nach solch einem Winter auch ein Sommer folgen würde. Gemessen an Erdenjahren dauert das pandora’sche Jahr zirka das zehnfache der Zeit. Somit steht den Einwohnern der Wüstenwelt ein paar wirklich lange Sommermonate bevor. Diese bringen es mit sich, dass die Fauna zu neuem Leben erwachte und nun Heimat wirklich widerwärtiger Bestien ist. Skags und Spiderants sind hierbei die kleinsten Übel, auf die man auf Pandora treffen wird.

Die Story: Woot? Wo bin ich hier und warum ist es so staubig?

Eine lustige blaue Frau schickt eine durch die Einöde. Und alle so: YEAH!

Eine blaue Frau schickt eine durch die Einöde. Und alle so: YEAH!

Hat man sich erst einmal an die Gegend und deren ganz eigenen Charme gewöhnt, kann man eine Menge erleben. Schließlich strandet man nicht ganz so zufällig auf dieser Welt, wie man anfangs vermuten mag. Noch im Ankunftsbus plagt eine wirklich nervtötende Dame den neuen Helden mit Visionen vom gelobten Land. Oder in diesem Fall eher vom „Vault“. Diesen sagenumwobenen Platz gilt es im Verlauf der Geschichte zu finden und vor fremden Eindringlingen zu verteidigen. Doch natürlich versteckt so ein hundsgemeiner Ort wie der „Vault“ nicht einfach unter dem Wüstensand, er hat sich auch ganz dreist verschlossen. Somit beginnt die Jagd nach mystischen Artefakten, die über den Planeten verteilt sind. Vornehmlich befinden diese sich in den Händen der übel launigen Banditen, die man mit geballter Feuerkraft aus dem Weg räumt. Welchen Weg man hierzu einschlägt, hängt dabei nicht unwesentlich von der Wahl des Charakters ab.

Die Klassen: Klassische Rollenaufteilung oder Einzelkämpfer?

Was darf es denn sein? Jäger, Soldat, Sirene oder BRICK?

Was darf es denn sein? Jäger, Soldat, Sirene oder BRICK?

Ja was denn nun – Shooter oder Rollenspiel? Bereits im Startbildschirm zeigt Borderlands, dass es keine einfache Halt-drauf-Ballerorgie ist. Man hab die Qual der Wahl und darf sich zwischen vier verschiedenen Protagonisten entscheiden. Diese legen ihren Fokus auf bestimmte Kampfaspekte.

Mordecai der Jäger ist der Tierfreund unter den pandora’schen Einsiedlern. Als Spezialfähigkeit schickt er einen Falken auf seine Gegner, der diesen kräftig zusetzt, während er selbst den Kampf mit der Pistole bevorzugt.

Der Soldat Roland hingegen ist der Meister des Scharfschützengewehres, der mit Vorliebe hinter seinem stationären Geschütz Deckung sucht oder seine Mitstreiter, so sie denn mit ihm in die Schlacht ziehen, mit Munition und Heilung versorgt.

Bevorzugt man den Nahkampf – auch das ist in Borderlands möglich, wird einem das Muskelpaket Brick zusagen, der mit gewaltigen Nahkampfangriffen berserkerartig durch die Schergenreihen prescht.

Die Sirene Lilith ist die Meisterin der Verstohlenheit und schleicht fast unsichtbar hinter die feindlichen Linien, um dort mächtig Schaden anzurichten. Lässt sie ihre Tarnung erst einmal fallen, fügt sie Unmengen an Elementarschaden mit der gerade aktiven Waffe zu.

So verschieden die Klassen auch klingen mögen, so ähnlich spielen sie sich dennoch, wenn ihre jeweiligen Spezialfähigkeiten gerade nicht verfügbar sind. Denn dann bedienen sich alle vier Protagonisten der üblichen Schießprügel. Wesentlich interessanter wird die Klassenwahl hingegen für den Mehrspielerpart, denn dort ergänzen sich die Rollen wie in einem gängigen MMO.

Die Charakterentwicklung: Mehr ist besser, zu viel anscheinend out.

Jede Klasse verfügt über drei Talentbäume - RPG-Individualität wie man sie kennt.

Jede Klasse verfügt über drei Talentbäume - RPG-Individualität wie man sie kennt.

Die Charakterentwicklung im Spiel gestaltet sich auf den ersten Blick erfrischen angenehm, denn neben dem eigenen Spielskill entscheidet auch das Level des Avatars über seine Erfolgsaussichten. Damit man nicht in ellenlangen Tabellen oder Statistiken versinkt, hält gearbox diesen Teil allerdings recht knapp. Die Gegner sind in normale und Elite-Monster (gekennzeichnet durch ein + am Level) eingeteilt und haben ein bestimmtes Level. Eben wie in einem der vielen Rollenspiele da draußen. Die Stufenreichweite reicht dabei bis 50 und ist damit gleichauf mit dem maximalen Charakterlevel. Denn für jeden erlegten Gegenspieler erhält man selber Erfahrungspunkte, die die eigene Stufe steigern. Der Stufenunterschied zwischen dem eigenen Helden und seinen Widersachern entscheidet hierbei, wie viel Schaden man anrichtet und viel viel Erfahrung sie einem nach ihrem Ableben hinterlassen. Für jeden Stufenaufstieg höher als Level 4 erhält man zusätzlich einen Talentpunkt, den man in einen der drei Talentbäume investieren kann. Wirkliche viele Skillmöglichkeiten sind dabei nicht gegeben, dennoch erlaubt es die kleine, angenehme Individualisierung des Alter Egos.

Die Waffaenfertigkeit beeinflusst Zielgenauigkeit, Nachladeverhalten und Treffergenauigkeit

Die Waffenfertigkeit beeinflusst Zielgenauigkeit, Nachladeverhalten und Zielgenauigkeit

Zusätzlich zum Charakterlevel steigern die erhaltenen Erfahrungspunkte aber auch noch die Waffenfähigkeit des benutzten Schießprügels. Je höher diese ist, desto besser kann man mit diesen umgehen, was sich in der Feuerrate, der Genauigkeit oder dem Nachladen niederschlägt. Nun könnte man dem System nachsagen, dass es als reine Content-Streckung fungiert, mir persönlich gefallen allerdings diese kleinen sich füllenden Balken, die einen Fortschritt des Charakters suggerieren. So überwältigend die Vielfalt anfangs erscheint, so gering sind die spielerischen unterschiede letztendlich zwischen den verschiedenen Klassen oder Skillungen. Für eingefleischte Rollenspieler wird es zu wenig sein, Actionfans werden sich fragen, warum sie etwas verbessern sollten und Freunde der minimalen Anpassung werden sich ein Loch in den Bauch freuen. Weitere Möglichkeiten der Anpassung bietet übrigens die Ausrüstung, die im ganzen Land verteilt ist und die es zu erlangen gilt.

Einen interaktiven Talentplaner bekommt man auf der offiziellen Webseite zu Borderlands:

Die Ausrüstung: Wenn ich die Waffen doch nur anziehen könnte.

Die Farben der Ausrüstung symbolisieren wie in WoW deren Qualität. Von weiß bis orange ist alles dabei.

Die Farben der Ausrüstung symbolisieren wie in WoW deren Qualität. Von weiß bis orange ist alles dabei.

Neben der Talentgestaltung darf man allerdings nicht zu viele Einstellungsmöglichkeiten in Borderlands erwarten. Die Farbe der Kleidung bestimmt man direkt zu Beginn via Terminal und kann diese an ebensolchen jederzeit wieder ändern. Eine optische Generalüberholung ist also nicht drin. Nebenbei bieten die Terminals auch die Option, seine vergebenen Fähigkeitspunkte gegen eine kleine Gebühr zurückzusetzen. Seinen Taschenplatz vergrößert man im Laufe des Spiels, indem man in den einzelnen Abschnitten den klapprigen Claptraps wieder auf die Beine hilft. Diese armen Blecheimer bekommen nämlich immer wieder auf den Deckel und freuen sich über herbeigeschaffte Repairkits so sehr, dass sie ein kleine Backpack-Upgrade springen lassen.

In der ganzen Welt verteilte Klassenmods sind Ergänzungen, die die besonderen Fähigkeiten des Einzelkämpfers unterstützen oder gar der ganzen Gruppe im Mehrspieler Boni zukommen lassen. Hierbei muss man sich leider für genau eines der Mods entscheiden, währen die übrigen im Inventar verstauben. Dem Drang diese zu verkaufen, sollte man übrigens nicht nachgehen, da es für die verschiedenen Spielsituationen meistens auch ein passendes Klassenmod gibt, das den Kampf ungemein erleichtert. Ebenso kann man seine Granatenplätze aufwerten und diese durch bestimmte Modifikationen erweitern. Auch hier gilt, eine Modifikation gleichzeitig ist das Maximum. Diese variieren dafür in Stufe und Fähigkeit ungemein. Mal beamen sich die Granaten direkt zum Gegner oder bleiben an diesen haften. Man berichtet sich in pandora’schen Legen auch von heilenden Granaten. Man sieht, die Ausrüstung macht einiges her. Zu allem Überfluss kann man auch noch seine Spezialfähigkeit über sogenannte Artefakte stärken. Diese werden zu diesem Zweck in den Charakter eingelesen, um anschließend im Talentbaum aktiviert zu werden. Man hat also ausreichend Tüftelarbeit vor sich, die man nur ableisten muss, will man wirklich alles aus seinem Charakter herausholen.

Die Waffen: Jetzt aber, ich will ballern!

Yeah, dicke Wummen machen ordentlich Bums.

Yeah, dicke Wummen machen ordentlich Bums.

Nun ist es Zeit erschlagen zu werden. Waffen gibt es in Borderlands in Hülle und Fülle. Sie reichen von Pistolen, Schrotflinten, Sturmgewehren über Scharfschützengewehre, Mgs bishin zu Raketenwerfen und weiteren exotischeren Wummen, die ich hier nicht verraten möchte. Jedes Schießgerät greift hierbei auf eine andere Patronenart zurück, dies es am lokalen Munitionsautomaten oder in den Leichen der ausgeschalteten Bestien des Planeten zu ergattern gilt. Zusätzlich können sie in der Schadensart variieren: Neben dem ordinären körperlichen Treffern kann man seine Feinde durch Schüsse entzünden, verätzen oder deren Schilde durch Energiegeschosse besonders schwächen. Damit man nicht wie das Schwein ins Uhrwerk glotzt, werden Unterschiede der Schadensart farbig dargestellt. Das gleiche borderlands’sche Wertigkeitsfarbschema gleicht dem wow’schen wie ein Ei dem anderen. Richtig gelesen: Die Waffen haben auch noch unterschiedliche Qualitätsstufen. Diese reichen von weiß über grün, blau und lila bis hin zu orange – eben wie im MMO-König.

Die Vergleichsfunktion des Spiels hilft einem dann glücklicherweise bei der Wahl der geeigneten Waffe, indem es anzeigt, welche Knarre die besseren Stats hat. Genau: Stats der Waffen werden nämlich auch angezeigt: Schaden pro Treffer, Feuerrate und Genauigkeit sind hierbei die Hauptattribute, die mit weiteren Mods wie höhere Nachladegeschwindigkeit oder Explosionen beim Einschlag kombiniert werden. Die kritischen Treffer hängen übrigens mit dem eigenen Können zusammen und werden nicht an Prozentchancen wie in den meisten Rollenspielen gemessen: Headshot = kritischen Treffer. Der Vielfalt sind keine Grenzen gesetzt und genau das macht auch den Reiz von Borderlands aus. Wie einst in Diablo 2 jagt man ständig der nächst besseren Ausrüstung nach – das motiviert ungemein.

Der Einzelspieler: Hehe, One-Man-Army.

So schöde werden Aufgabenerfolge präsentiert.

So schöde werden Aufgabenerfolge präsentiert.

Der Einzelspieler bietet dann auch nicht viel mehr als die besagte Jagd nach besserer Ausrüstung. Die Geschichte wird mehr schlecht als recht über immerhin nett anzusehende Videoschnipsel im HUD (der Infoanzeige zu Munition, Himmelsrichtung, Lebenspunkte etc.) erzählt. Leider entfaltet sie sich nicht besonders und ist mehr als nur vorhersehbar. Dafür werden die einzelnen skurrilen Typen, auf die man während seiner Reise auf Pandora trifft, herrlich in Szene gesetzt. Die Kommentare sind einfach nur zum Wegschmeißen und der äußerst derbe Humor lässt einen doch manchmal zweifeln, ob man darüber jetzt wirklich lachen sollte. Keine Angst, wenn man allein vor der Glotze hängt, dann darf man ruhig lauthals lachen, falls jemand dabei ist, muss man nur kurz brüskiert schaue. Auch bestimmte Miniboss haben von gearbox ein eigenes Intro spendiert bekommen und läuten damit einen heftigeren Kampf am Ende eines Abschnittes ein. Denn genau so ist die Welt unterteilt: In Abschnitten. Man läuft nicht wie in einem GTA durch eine riesige Open World, sondern befreit kleinere Gebiete vom Unrat der Straße. Dies geschieht dann wahlweise auch mit Hilfe eines der verfügbaren Fahrzeuge, das die teils größeren Laufwege enorm abkürzt und für so manchen Erfolg herhalten darf. Denn da es sich hier über ein Multiplattform-Spiel handeln, hat man auch auf dem PC die Möglichkeit, die leider nutzlosen Erfolge frei zuspielen. Um die eher mickrige Handlung nun auf ein paar Stunden zu dehnen, darf man sich bei dne wenigen Einwohner Pandoras weitere Nebenaufgaben abholen. Diese unterscheiden sich viel zu selten vom üblichen „Töte dies, töte das!“ oder „Hol mir dies und das!“ Einziger Vorteil hierbei ist die eingebaute Questhilfe, die einem das Ziel beziehungsweise die Verbindungspunkte zu einem anderen Gebiet anzeigt, sollte sich das Aufgabenziel eben nicht im momentanen Bereich befinden. Nur selten ist der Spürsinn des Spielers gefragt, wenn man versteckte Waffenteile oder Vorräte in feindlichen lagern suchen muss. Alles in allem verschenkt das Spiel hier viel Potential, das ihm ansonsten eine wesentlich höhere Wertung in so manchem Spielemagazin beschert hätte.

Der Mehrspieler: Ach deswegen macht das Spaß!

In der Gruppe geht's gleich viermal so laut.
In der Gruppe geht’s gleich viermal so laut.

Borderlands eigentliches Highlight ist der Mehrspielerpart. In diesem kann man mit bis zu drei weiteren Söldnern in die Schlacht über das Internet ziehen. Hierzu wählt man in der Lobby ein offenes Spiel, das nebenbei über seine aktuelle Spieleranzahl und deren Stufen informiert. Mag man selbst der Chef im Hause sein, kann man auch ganz einfach ein eigenes Spiel für die Öffentlichkeit oder nur für Freunde hosten. Die Freundesliste erlaubt es dann auch noch, gezielt Bekannte für das eigene Spiel einzuladen. In die Schlacht zieht man wahlweise mit einem neuen Charakter oder seinem Helden aus den Solomissionen. Denn im Gegensatz zu vielen anderen Titeln kann man in Borderlands seinen Charakter entweder online oder offline weiterentwickeln. Der aktuelle Queststand wird hierbei einfach mitgenommen und an die Mitspieler verteilt, sodass man in der Gruppe die Ziele erfüllen kann.

Der Tod ist in Borderlands nicht zwingend: Kämpfe um dein Leben und komm' so ins Spiel zurück.
Der Tod ist in Borderlands nicht zwingend: Kämpfe um dein Leben und komm’ so ins Spiel zurück.

Als nervig hat sich übrigens der Zonenwechsel herausgestellt. Möchte ein Mitspieler in ein anderes Gebiet wechseln, werden alle anderen ebenfalls teleportiert. Nervt euch das zu sehr, könnt ihr dem dreisten Zonenhopper einfach aufs Maul geben. Neben der Duellfunktion, die man jederzeit über einen Faustschlag auf den Störenfried ausführen kann, gibt es auch noch richtige Arenen. Hierbei zeigt Borderlands, dass die einzelnen Klassen nicht sonderlich gut gegeneinander ausbalanciert sind. Das müssen sie aber auch gar nicht, denn eigentlich macht nur das Miteinander so richtig Spaß. Hier trumpft der RPG-Shooter durch seine unterschiedlichen Rollen und die Talentverteilung so richtig auf. Während Brick an vorderster Front die Feinde an sich bindet, ballert Roland kräftig Heilung in seinen Rücken. Richtig gelesen. In Borderlands kann man mit Skill heilen. Etwas, das in WoW schon lange gefordert wird. Springt der Tank nämlich die ganze Zeit wie wild durch die Gegend, wird es sehr schwer werden, diesen mit der Heilung zu treffen. Mordecai und Lilith bringen dann als Schadensausteiler der Gruppe ausreichend Verwüstung mit sich. So viel Spaß hat man seit den ersten WoW-fünfer-Dungeons nicht mehr gehabt. Teamspiel gewinnt, zergen verboten! Das gilt vor allem für den Fahrzeugkampf, der erst mit zwei Spielern so richtig Spaß macht: einer fährt, der andere beschießt die Banditen der Einöde vom Rücksitz aus.

Damit der Spielinhalt nicht zu schnell ausgeht, darf man das Ganze dann auch in unterschiedlichen Schwierigkeitsgraden ausprobieren. Einmal bis zum Ende gespielt, darf man sich fortan in Walktrough 2 mit Gegnern der Stufe 48+ anlegen. Ist dieser gemeistert, stellen sich in Walkthrough 2,5 gar Stufe 50+ Schufte in den Weg. Dass die Wertigkeit der Gegner und die Qualität der Belohnung mit der Anzahl der Mitspieler skaliert, dürfte hierbei selbstverständlich sein.

Die Langzeitmotivation und Zukunft: Inseln, Zombies, DLC.

Der DLC "The Zombie Island of Dr. Ned" kommt am 24. November für Xbox 360 und PS3.
Der DLC “The Zombie Island of Dr. Ned” kommt am 24. November für Xbox 360 und PS3.

„Und? Macht das denn nun Spaß?“ Ganz klare Antwort: Ja. „Und? Wird es denn so bleiben?“ Hm, der Einzelspielermodus verliert recht schnell an Reiz und kann mit der Jagd nach immer besserer Ausrüstung nicht ganz so lange ziehen. Hierfür ist die Story einfach zu schwach, die Aufgaben unterscheiden sich zu wenig und die Landschaft ist dann doch zu trist. Im Gesamtwerk der Welt mag das stimmig sein, aber das Auge wünscht dann doch ab und an etwas Abwechslung. Hierfür ist ganz klar der Mehrspielerpart zuständig. In der Gruppe entfalten sich die Spielstile der einzelnen Klassen und schon Diablo zeigt, wie es Spaß macht. Das Itemgegrabsche motiviert wieder und selbst Heiler haben durch zielgenaue Heilung ihren Aiming-Spaß. Gearbox bietet zudem bereits am 24. November das erste Erweiterungspaket für Xbox 360 und PS3 an. Die PC-Freunde dürfen sich noch etwas gedulden. Ein genauer Termin steht noch nicht fest. Sicher ist hingegen, wohin es einen verschlagen wird: „The Zombie Island of Dr. Ned“ ist der wohlklingende Name des $9.99 teuren DLCs. Erste Bilder bestätigen dann auch den Namen uns zeigen schaurig schöne Aufnahmen im Stile Frankensteins. Was die Erweiterung neben einem neuen Gebiet sowie weiteren Gegnermodellen bietet, wird sich erst noch zeigen müssen.

Die Technik: Ei guck mal, ist schon schön anzusehen, gelle?

Die Grafik ist nett, aber kein Bringer.
Die Grafik ist nett, aber kein Bringer.

Die Grafik ist jetzt nicht der Bringer. Die Texturen könnten höher aufgelöst sein, die Charaktermodelle etwas detailierter ausfallen. Dafür punktet das Spiel mit butterweichen sowie realistischen Animationen, tollen Soundeffekten und einer dynamischen Musik, die nie aufdringlich wird, sich aber immer der aktuellen Situation anpasst. Die Landschaft ist ödnismäßig karg und wenig Abwechslungsreich, dafür stecken die Schrottplätze und Häfen des Spiels voller netter Details und bekloppter Schilder. Piss off! Da das ganze Spiel im Cel-Shading-Look gehalten ist, fällt die fehlende Vegetation gar nicht so sehr auf, da ohnehin alle harten Kanten von einer dicken schwarzen Comiclinie gezeichnet werden. Das ist nicht mehr so innovatov wie noch in XIII, aber dennoch ganz nett. Zumal das Abtrennen der Körperteile bei besondere Treffern und die literweise Blutfontänen ins skurrile Comicleben passen. Eben aufgrund dieser kargen, aber schönen Optik machen Borderlands zu einem ressourcenschonenden Shooter, der weniger an der Grafikkarte als viel mehr an der Internetleitung im Mehrspielerpart zieht. Diese wird nämlich ungewöhnlich stark belastet. Im Moment kämpft gearbox noch mit Verbindungsproblemen, die ein baldig erscheinender Patch ausmerzen soll.

Das Fazit: Das wollte Hellgate London sein.

Du mich auch!
Du mich auch!

Es macht Spaß! Der Cel-Shading-Look überzeugt, die Gewalt ist comicartig überzeichnet, ebenso wie es die Charaktere Pandoras sind. Der Rollenspielanteil hält sich dezent im Hintergrund, motiviert durch seinen „noch einen Punkt mehr“-Aufbau aber ungemein. Die Klassen sind sinnvoll und zumindest im Mehrspielermodus angenehm abwechslungsreich. Die Story ist recht schwach und wirkt eher als hätte sie ein betrunkener russischer Bergarbeiter im Schlaf zusammengefurzt, aber genau dieser Umstand kommt dem Humor der Spielwelt zugute – dieser ist so derbe, dass ihn nur besagter Bergarbeiter im versoffenen Zustand lauthals prustend wiedergeben kann, ohne dabei vor Weinkrämpfen zusammenzubrechen. Die Bosskämpfe sind nett anzusehen, spielerisch allerdings nicht so umwerfend. Aber das waren sie auch nicht in Diablo 2. Die Itemvielfalt motiviert dafür ungemein und mit dem bereits angekündigten DLC kann man sich auf viele Stunden in der postapokalyptischen Welt von Pandora einstellen. Wer gern Jäger und Sammler spielt, der hat mit Borderlands genau das gefunden, was Hellgate: London sein wollte. Nur ohne diesen ungerechtfertigten Hype.

* Böse Zeit! Das Video wird auf einen unbestimmten Zeitpunkt verschoben. Damit der Test bis dahin nicht in den Tiefen des Internets völlig unentdeckt dahinvegetiert, hab’ ich mich dafür entschieden, diesen direkt online zu stellen. Man mag mir mein desolates Zeitmanagement verzeihen.