CommunityDas Leben ist schon nicht einfach: Da sitzt man gemütlich zu Hause, trinkt einen warmen Tee, um die kalten Herbsttage zu überstehen und will doch nur ein wenig Unfug im Internet verbreiten. Darf man das eigentlich? Jetze komm’ mir ja nich’ blöde!

Um es mit politischen Worten zu sagen: Ich bin ja ein Liberaler. Jetzt nicht vom Wahlverhalten, aber von der theoretischen Entsprechung des Wortes. Tolerant in alle Richtungen, die eigene Freiheit sollte an vorderster Front stehen (so lange sonst niemand dadurch eingeschränkt wird) und sowieso macht der nette Umgang miteinander nur so richtig Spaß. Wurde man in der Schule noch kräftig vermöbelt, wenn man Unfug von sich gab (was ist eigentlich die Nicht-Negation von Unfug?), da hat man eben ein paar Klatscher von der Überlegenen Masse bekommen und es sich beim nächsten mal zweimal überlegt, ob man noch einmal die Unwahrheit spricht. Doch heute leben wir in einem Zeitalter, in dem jeder einfach alles als wahr verkauft. Oder zumindest so unklug bei der Formulierung seiner Aussagen ist, dass jeder Rezipient seiner Beiträge davon ausgehen muss, das hier die Wahrheit gesprochen wird. Richtig erraten, ich bin im Internetzeitalter angekommen. Genaugenommen beziehe ich mich mal wieder auf die schreckliche Bestie Community.

Die Bestie schlägt wieder zu: Communities zerfleischen sich!

Die Bestie schlägt wieder zu: Communities zerfleischen sich!

Da steht doch eine ganz und gar nette Grundidee hinter dem Gedanken der Community: Über Landesgrenzen und Sprachbarrieren vereinigen wir uns zu einer riesigen, liberalen Gemeinschaft und tauschen Gedanken aus. Wie in der Realität wird es dabei zu Zusammenschlüssen Gleichgesinnter kommen. Toll! Nun erlebe ich allerdings jeden Tag das inzestuöse Endprodukt nach rund 20 Jahren Internet: Der faulig, schleimige Abgrund einer Gemeinschaft, die sich zerfleischt, in der das eigene Interesse über dem der anderen steht. Wo weniger Miteinander als vielmehr gegeneinander geschrieben wird und das Wort “argumentieren” schon lange ausgestorben ist. Da werden Foren als Kommentar und nicht als Diskussionsplattform genutzt und Kommentarfunktionen in ihrer unausgegorenen Struktur zu Minidiskussionen vergewaltigt. Warum das alles? Das Internet ist nur mehr ein Ort, in dem man ohne Hemmungen, ohne Nachzudenken die eigenen Ansichten unters Volk kotzen kann. Man muss nicht auf Formulierungen achten, Rechtschreibung ist ohne hin keine Pflicht (Das glaubt ein Teil wirklich; man ist ja schließlich nicht in der Schule.) und überhaupt darf man auch Extreme verbreiten.

Wie frei ist man aber wirklich? Darf man Behauptungen aufstellen, die vollkommen haltlos sind? Darf man anonym – hinter dem Schutzwall seiner Firewall – auf alles und jeden eindreschen? Natürlich nicht. Wir leben trotz aller Zerstörungsversuche durch den ein oder anderen Politiker noch immer in einem ganz angenehmen Rechtsstaat. Dieser untersagt es unter anderem, dass man falsches Zeugnis über Dritte ablegt. Das gilt für den kleinen Plausch in der Mittagspause, wie auch für den netten Kommentar-Spam auf einer Internetplattform. Wenn ich etwas von mir gebe, das vermeintlich wichtig ist, dann sollte ich mir sicher sein, dass es der Wahrheit entspricht. Es ist schlichtweg nicht erlaubt, haltlose Behauptungen, die zu einer Rufschädigung führen, zu verbreiten – seine diese für einen selbst auch noch so schlüssig. Ohne Beweise ist nicht! Denn wenn es sich als unwahr herausstellen sollte und angegriffene Personen oder Firmen es darauf anlegen, dann kann man auch im Internet ganz schnell eine Verleumdungsklage am Hals haben.

Über dieses rein rechtliche Problem hinaus gibt es dann noch den meiner Meinung nach wesentlich wichtigeren Anspruch der moralischen Integrität. Ein vernünftiger Mensch sollte doch gar kein Interesse daran haben, Unsinn zu verbreiten oder haltlose Behauptungen aufzustellen. Sind wir denn so tief gesunken, dass wir aufgrund der Anonymität im Internet einfach jedne Mist rausposaunen müssen, ohne erst einmal darüber nachgedacht zu haben? Würde man so manch unsinnige Anklage wirklich den betreffenden Menschen ins Gesicht sagen, wenn sie vor einem stünden? Ich glaube hier würde die Mehrheit der “Flamer” und “Hater” das Schwänzchen einziehen. Die direkte Konfrontation hat dann – glücklicherweise zumindest bei einem Großteil der Bevölkerung – noch immer eine wesentlich höhere Hemmschwelle. Da überlegt man sich doch dreimal, ob man das jetzt sagt. Das sollte man sich in Internetforen und Kommentaren langsam wieder zu Herzen nehmen. Kurz und knapp, später mehr: Und danke. *winkt buffed und allen anderen Austauschplattformen*